Stelle dir eine Aussage vor, die genau zu deinen Erwartungen passt. Stoppe 15 Sekunden, notiere eine gegenteilige Hypothese, suche gezielt nach einem Gegenbeleg und markiere ein Wort, das deine Zustimmung befeuert. Erst danach entscheidest du, ob du likest, kommentierst oder weiterleitest.
Wenn spektakuläre Fälle dominieren, wirkt die Welt gefährlicher als sie ist. Zähle konkrete Häufigkeiten, ersetze Adjektive durch Zahlenbereiche, prüfe, ob eine Quelle absolute statt relative Werte nutzt, und frage dich: Würde dieselbe Schlussfolgerung bei einem ruhigeren Nachrichtenzyklus Bestand haben?
Suche Pronomen, die Grenzen ziehen: wir, die, diese Leute. Markiere verallgemeinernde Gruppenlabels und ersetze sie probeweise durch präzise Rollen oder Tätigkeiten. Lies denselben Absatz laut, neutralisiere Kampfmetaphern, und beobachte, wie die emotionale Schubkraft sinkt und dein Verständnis präziser wird.

Ein dramatischer Zusammenschnitt behauptet Eskalation. Pausiere, notiere eine neutrale Beschreibung jedes Schnitts, suche Originalkontext, prüfe Tonspur. Vergleiche zwei Quellen mit entgegengesetzter Sicht. Entscheide erst danach, welcher Teil belegt ist, und was offen bleibt, ohne Schuldzuschreibungen vorschnell festzuklopfen.

Eine große Zahl prangt im Titel. Suche Bezugsrahmen, historische Werte und regionale Unterschiede. Frage nach Messmethode, Stichprobe, Zeitraum. Skizziere zwei mögliche Erklärungen, die nichts mit bewusster Täuschung zu tun haben. Bestimme erst dann, ob Alarm berechtigt erscheint.

Mehrere Screenshots erzählen eine schlüssige Geschichte, doch fehlen Quellenwege. Prüfe Zeitstempel, frage nach Originalposts, suche alternative Threads. Notiere Widersprüche und markiere, was nur Interpretation ist. Entscheide, welche zusätzliche Information nötig wäre, bevor du dich öffentlich positionierst oder teilst.
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